Sizilien in Trümmern, Küsten verwüstet, Tote in Griechenland — Zyklon „Harry“ hinterlässt schwere Schäden
Im Mittelmeerraum hat der tropisch anmutende Wirbelsturm Harry in den zurückliegenden Tagen katastrophale Spuren hinterlassen. Besonders hart traf es den Süden Italiens: Auf der Insel Sizilien richten schwere Stürme mit sintflutartigen Regenfällen, meterhohen Wellen und heftigen Windböen Verwüstungen an, die nach ersten Schätzungen Sachschäden in Milliardenhöhe verursachen. Allein in Sizilien summieren sich allein die direkten Schäden an Infrastruktur, Gebäuden und Betrieben auf etwa 740 Millionen Euro, wobei unter Einbeziehung von Ertragsausfällen und Folgeschäden die Summe wohl deutlich darüber liegt. Sardinien und Kalabrien melden ebenfalls hunderte Millionen Euro an Schäden. Die italienischen Behörden haben für mehrere Regionen den Notstand ausgerufen, um Soforthilfen bereitzustellen.
Unter anderem wurden Küstenpromenaden weggespült, Straßen überflutet und Bahninfrastruktur durch weggeschwemmten Untergrund schwer beschädigt. In Teilen Kalabriens fielen binnen weniger Tage Niederschläge, die dem halben üblichen Jahresniederschlag entsprechen sollen, was zu Erdrutschen und Überschwemmungen im Hinterland führte. Zwischen Sizilien und Malta registrierten Messstationen historische Wellen von bis zu rund 16,7 Metern Höhe — ein Rekordwert für das Mittelmeer.
Auch außerhalb Italiens wütete Harry: Auf der Insel Malta führten Sturmböen, hohe Meeresspiegel und Überschwemmungen zu erheblichen Schäden an Gebäuden und Straßen, während in Griechenland mindestens zwei Menschen durch Blitzschlag und Hochwasser ums Leben kamen, nachdem der Sturm dort auf Land getroffen war.
Klimawandel im Blickfeld: Zufall oder Zeichen der Zeit?
Die verheerenden Auswirkungen von Harry werfen auch Fragen nach dem Zusammenhang mit dem fortschreitenden Klimawandel auf. Wissenschaftler betonen, dass der Mittelmeerraum als Klimawandel-Hotspot gilt: Das Meer erwärmt sich dort überdurchschnittlich stark, was zu mehr Verdunstung, feuchterer Luft und potenziell energiereicheren Sturmsystemen führt.
Für sogenannte Medicanes — tropisch-ähnliche Wirbelstürme im Mittelmeer — zeigen Studien, dass ihre Häufigkeit nicht zwangsläufig zunimmt, ihre Intensität und die Stärke der damit verbundenen Regenfälle und Sturmfluten jedoch im Zuge der Erwärmung zunehmen könnten. Die zusätzliche Wärme im Meer liefert mehr Energie, wodurch Stürme stärkere Winde entwickeln und mehr Wasser aus der Umgebung aufnehmen können, was extreme Niederschläge begünstigt.
Forscher*innen weisen darauf hin, dass ein wärmeres Meer zu Situationen führt, die solchen Stürmen idealere Bedingungen bieten: Mehr Feuchtigkeit in der Luft kann zu intensiveren Regenfällen führen, selbst wenn die Gesamtzahl der Ereignisse gleich bleibt oder leicht sinkt. Das bedeutet, dass einzelne Wetterextreme verheerender ausfallen können.
Zudem erwärmt sich das Mittelmeer nach Beobachtungen deutlich schneller als der globale Ozeandurchschnitt, was nicht nur Stürme beeinflusst, sondern auch marine Ökosysteme, Meeresspiegel und Extreme wie marine Hitzewellen verstärkt.
Zwischenbilanz: Naturgewalt und globale Herausforderungen
Der Zyklon Harry ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie verheerend Wetterextreme im Mittelmeerraum ausfallen können. Die unmittelbaren Schäden sind gewaltig — zerstörte Küsten, überflutete Städte und tragische Todesfälle. Zugleich unterstreicht dieses Ereignis, was Klimaforscher seit Jahren betonen: In einer sich erwärmenden Welt ist mit einer Zunahme von intensiven Extremereignissen zu rechnen, mit schwieriger vorhersehbaren Folgen für Gesellschaft, Infrastruktur und Ökosysteme. Während einzelne Sturmereignisse nie allein dem Klimawandel zugeschrieben werden können, liefert Harry einen weiteren Datenpunkt in der Debatte über Risiken und Anpassungsstrategien in einer sich rasch verändernden Umwelt.